Stadthistorie Hannover
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Ev. luth. Jacobikirche vorheriger Ort nächster Ort

Die evangelisch-lutherische Jakobikirche in Hannover-Kirchrode markiert als ältester Sakralbau im südöstlichen Stadtgebiet einen bedeutenden historischen Ankerpunkt, dessen Ursprünge vermutlich bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen und der einst an wichtigen Pilgerwegen lag. Der bis heute erhaltene, massive Westturm aus Bruchsteinmauerwerk wurde im 14. Jahrhundert um 1350 errichtet und zeugt mit seinen schmalen Lichtscharten eindrucksvoll von einer einstigen Wehrfunktion in unsicheren Zeiten. Während der Turm seine mittelalterliche Substanz weitgehend bewahren konnte, wurde das ursprüngliche Langhaus in den Jahren 1782 bis 1784 durch einen schlichten spätbarocken Saalbau mit klassizistischen Elementen nach Plänen des Baumeisters Georg Christian Ludolph Zeppenfeldt ersetzt. Eine tiefe Zäsur in der Geschichte des Bauwerks brachte der Zweite Weltkrieg, als eine Luftmine am 4. November 1944 das Kirchenschiff bis auf die Außenmauern zerstörte, während der Turm wie durch ein Wunder weitgehend unversehrt blieb. Der Wiederaufbau erfolgte schrittweise bis Mitte der 1950er Jahre und orientierte sich streng an der historischen Kubatur des Gebäudes. Der Innenraum beherbergt heute wieder den wertvollen Kanzelaltar aus der Erbauungszeit sowie einen achteckigen Taufstein aus dem Jahr 1600. Historisch umfasste das Kirchspiel Kirchrode ein weites Einzugsgebiet, das auch Bemerode und Wülferode einschloss. Während die historischen Glocken infolge der Weltkriege verloren gingen, erklingt heute ein modernes Geläut vom Turm. Renovierungen in den Jahren 1962 und 1988 sicherten den Bestand dieses für den Stadtteil identitätsstiftenden Baudenkmals.


Zugeordnete Stadttafeln

1350
1822
1888
1926